Glossar
94 Begriffe, präzise definiert und ohne Werbesprache. Wo ein Begriff umstritten ist oder mehrere Bedeutungen trägt, sagt der Eintrag das, statt sich die bequeme auszusuchen.
Real-World Assets
18 BegriffeBruchteilsbeteiligung
Die Aufteilung eines Vermögenswerts in kleine übertragbare Einheiten, sodass Anleger einen Bruchteil der wirtschaftlichen Position halten; rechtlich handelt es sich meist um Miteigentum, Fondsanteile oder Schuldverschreibungen, nicht um geteiltes Eigentum.
ERC-1400
Eine Familie von Schnittstellen für Wertpapiertoken mit Partitionen, Übertragungsbeschränkungen und begründeten Transferablehnungen; sie ist ein De-facto-Standard und kein finalisierter ERC.
ERC-3643
Ein zugangsbeschränkter Token-Standard für regulierte Vermögenswerte, bei dem jede Übertragung vor Ausführung gegen eine On-Chain-Identität und ein Regelwerk geprüft wird.
Fondsadministrator
Der Dienstleister, der das Anteilsregister führt, den Nettoinventarwert berechnet, Zeichnungen und Rücknahmen abwickelt und das Fondsreporting erstellt.
Nettoinventarwert (NAV)
Der Wert des Fondsvermögens abzüglich Verbindlichkeiten je Anteil, ermittelt von der Administration nach einer Bewertungsrichtlinie und zu unterscheiden vom Marktpreis eines darauf lautenden Tokens.
Reale Vermögenswerte (RWA)
Außerhalb der Blockchain existierende Vermögenswerte wie Staatsanleihen, Unternehmenskredite, Immobilien oder Rohstoffe, die auf einer Blockchain abgebildet werden, in der Regel über einen Fonds oder eine Zweckgesellschaft statt über unmittelbares Eigentum.
Registerführer
Die Stelle, die das Verzeichnis der Inhaber führt und Übertragungen ausführt; bei tokenisierten Strukturen ist diese Rolle in mehreren Rechtsordnungen gesondert reguliert.
Tokenisierte Fondsanteile
Anteile an einem regulierten Fonds, deren Register auf einem verteilten Register geführt wird, üblicherweise mit auf Token-Ebene durchgesetzten Übertragungsbeschränkungen.
Tokenisierte Immobilien
Token, die eine Beteiligung an Immobilien abbilden, nahezu immer über Anteile oder Schuldverschreibungen einer Objektgesellschaft und nicht über eine Eintragung im Grundbuch.
Tokenisierte Staatsanleihen
Token, die Anteile an einem Fonds oder Schuldverschreibungsportfolio mit kurzlaufenden Staatsanleihen verbriefen und überwiegend als On-Chain-Liquiditätsanlage genutzt werden.
Tokenisierte Unternehmensfinanzierung (Private Credit)
Außerhalb der Blockchain vergebene Kredite oder Forderungen, die über Token einer Zweckgesellschaft refinanziert werden, wobei Anleger Kreditnehmer-, Originator- und Servicer-Risiko tragen.
Tokenisierter Geldmarktfonds
Ein regulierter Geldmarktfonds, dessen Anteile über ein verteiltes Register ausgegeben und übertragen werden, wobei die investmentrechtlichen Anlage- und Liquiditätsvorgaben unverändert gelten.
Tokenisierung
Die Abbildung des Eigentums an einem Vermögenswert oder einer Forderung als übertragbarer Eintrag auf einem verteilten Register, sodass die Übertragung des Eintrags das zugrunde liegende Recht mitüberträgt.
US-Schatzwechsel (T-Bill)
Eine Verbindlichkeit der US-Regierung mit einer Laufzeit von höchstens einem Jahr, die mit Abschlag auf den Nennwert begeben wird statt einen Kupon zu zahlen. Die kurze Laufzeit ist der Grund, warum nahezu jedes tokenisierte Staatsanleiheprodukt Schatzwechsel hält: ein stabiler Anteilspreis von einem Dollar setzt Papiere voraus, deren Kurs sich kaum bewegt.
Wertpapiertoken
Ein Token, der als übertragbares Wertpapier oder sonstiges Finanzinstrument einzuordnen ist und damit dem Wertpapierrecht und nicht der MiCA unterliegt.
Whitelisting
Die Beschränkung eines Tokens auf Adressen geprüfter und zulässiger Inhaber, wodurch außerhalb der Chain getroffene Aufnahmeentscheidungen auf Protokollebene durchgesetzt werden.
Zeichnung und Rücknahme
Die Primärmarktvorgänge, bei denen Fondsanteile gegen Zahlung geschaffen und gegen Auszahlung eingezogen werden, in der Regel an Handelstage und Annahmeschlusszeiten gebunden, auch wenn der Token durchgehend handelbar ist.
Zweckgesellschaft
Eine eigens errichtete Rechtsperson, die einen abgegrenzten Vermögenspool hält und Ansprüche darauf ausgibt, um den Pool von der Bilanz des Originators zu trennen.
Stablecoins
10 BegriffeAlgorithmischer Stablecoin
Ein Stablecoin, der statt vollständiger Deckung auf Angebotssteuerung oder einen gekoppelten volatilen Token setzt; das Modell ist unter Stress wiederholt gescheitert und in einzelnen Regimen eingeschränkt.
Depeg (Abweichung vom Referenzwert)
Eine anhaltende Abweichung des Marktpreises eines Stablecoins von seinem Referenzwert, ausgelöst durch Zweifel an der Reserve, Rücktauschhürden, Sicherheitenstress oder dünne Sekundärliquidität.
Fiat-besicherter Stablecoin
Ein Stablecoin, dessen Emittent eine Reserve aus Bankguthaben und kurzlaufenden Instrumenten gegen die ausstehenden Token hält und sich zum Rücktausch, in der Regel zum Nennwert, verpflichtet.
Krypto-besicherter Stablecoin
Ein Stablecoin, der gegen überbesicherte Kryptopositionen ausgegeben wird und seinen Zielwert durch Liquidationen und Arbitrage hält statt durch ein Rücktauschversprechen eines Emittenten.
Reservebestätigung
Ein Bericht einer Prüfungsgesellschaft über die Zusammensetzung einer Stablecoin-Reserve zu einem Stichtag, erstellt nach Bescheinigungs- und nicht nach Abschlussprüfungsstandards.
Reservenachweis (Proof of Reserves)
Ein kryptografischer oder bescheinigter Nachweis, dass ein Betreiber Vermögenswerte in Höhe der Kundenguthaben kontrolliert; ohne ebenso geprüfte Passivseite belegt er keine Solvenz.
Rücktausch zum Nennwert
Das Recht des Inhabers, den Token jederzeit und ohne Abzug beim Emittenten zum Referenzwert zurückzutauschen; nach MiCA ist dies ein prägendes Merkmal von E-Geld-Token.
Stablecoin
Ein Token, der einen stabilen Wert gegenüber einer Referenz wie einer einzelnen Währung halten soll, unterlegt durch Reserven, Sicherheiten oder einen Algorithmus; der Begriff umfasst rechtlich sehr unterschiedliche Instrumente.
Tokenisierte Einlage
Eine Giralgeldeinlage bei einer Geschäftsbank, die auf einem verteilten Register geführt wird und ihren Status als Einlage einschließlich Einlagensicherung behält, meist mit eingeschränkter Übertragbarkeit.
Verzinslicher Stablecoin
Ein Token mit stabilem Referenzwert, der Anlageerträge weiterreicht; nach MiCA dürfen Emittenten von E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierten Token keine Zinsen gewähren, weshalb solche Produkte regelmäßig Fondsanteile oder Schuldverschreibungen sind.
DeFi
18 BegriffeAutomated Market Maker (AMM)
Ein Smart Contract, der Preise anhand einer mathematischen Kurve über die eigenen Reserven stellt und Geschäfte gegen einen Pool statt gegen Orders ausführt.
Beleihungsauslauf und Health Factor
Kennzahlen für das Verhältnis von Kredit zu Sicherheitenwert und für den Abstand zur Liquidationsschwelle, laufend anhand von Orakelpreisen neu berechnet.
Dezentrale autonome Organisation (DAO)
Ein über On-Chain-Abstimmungen und eine gemeinsame Kasse koordinierter Zusammenschluss; ohne rechtlichen Mantel droht Teilnehmern in mehreren Rechtsordnungen die Einordnung als Gesellschafter mit unbeschränkter Haftung.
Dezentrale Finanzanwendungen (DeFi)
Finanzdienstleistungen, die durch Smart Contracts statt durch Intermediäre erbracht werden, überwiegend Kreditvergabe, Tausch und Derivate, ohne zugelassenen Betreiber und ohne Kundenbeziehung.
ERC-4626
Eine Standardschnittstelle für tokenisierte Vaults, die Einlagen als Anteile an einem zugrunde liegenden Vermögenspool abbildet und die Umrechnung zwischen Anteilen und Vermögenswerten vereinheitlicht.
Flash Loan
Ein unbesicherter Kredit, der innerhalb einer einzigen Transaktion aufgenommen und zurückgeführt werden muss, andernfalls wird die gesamte Transaktion verworfen; er wird für Arbitrage und für ökonomische Angriffe genutzt.
Governance-Token
Ein Token, der Stimmgewicht über Protokollparameter vermittelt; er verkörpert in der Regel keinen Rechtsanspruch auf Vermögen, Zahlungsströme oder gegen einen Emittenten.
Impermanent Loss
Die Mindererfüllung einer Liquiditätsposition gegenüber dem bloßen Halten derselben Vermögenswerte, verursacht durch die Umschichtung des Pools gegen die Kursbewegung; präziser erfasst wird sie als Loss-versus-Rebalancing.
Kreditprotokoll
Ein contractbasierter Pool, in den Einleger Vermögenswerte einbringen und aus dem Kreditnehmer gegen überbesicherte Positionen zu algorithmisch bestimmten variablen Zinsen ziehen.
Liquid-Staking-Token
Ein übertragbarer Anspruch auf gestakte Token samt aufgelaufener Erträge, der unter dem Wert des Basiswerts handeln kann, wenn sich die Auszahlungswarteschlangen verlängern.
Liquiditätspool
Ein von einem Contract gehaltener Bestand aus zwei oder mehr Vermögenswerten, gegen den Geschäfte ausgeführt werden, gestellt von Liquiditätsgebern, die Gebühren erhalten und das Poolrisiko tragen.
Maximal extrahierbarer Wert (MEV)
Wert, der durch Umsortieren, Einfügen oder Zurückhalten von Transaktionen innerhalb eines Blocks abgeschöpft wird und überwiegend von gewöhnlichen Handelnden in Form schlechterer Ausführung getragen wird.
Sicherheit (Collateral)
Ein Vermögenswert, der zur Besicherung einer Verbindlichkeit gestellt wird. On-chain hält ein Smart Contract die Sicherheit statt einer Gegenpartei, was das Weiterverpfändungsrisiko beseitigt und dafür Vertrags-, Orakel- und Liquidationsrisiko einführt — anders als eine Bankeinlage verzinst sich ein als Sicherheit hinterlegter tokenisierter Fondsanteil weiter.
Staking
Das Binden von Token zur Absicherung eines Proof-of-Stake-Netzwerks gegen Protokollemission und Transaktionsgebühren, verbunden mit Slashing-, Validator- und Sperrfristrisiken.
Total Value Locked (TVL)
Der Marktwert der in den Contracts eines Protokolls gehaltenen Vermögenswerte; er ist eine Größenkennzahl und misst weder Markttiefe noch Ertrag noch Solvenz und zählt über verschachtelte Protokolle doppelt.
Überbesicherung
Das Erfordernis, Sicherheiten deutlich über der Kredithöhe zu stellen, was die Bonitätsprüfung ersetzt, wenn der Kreditnehmer pseudonym ist.
Zentralisierte Kryptofinanz (CeFi)
Kryptodienstleistungen über ein Unternehmen, das Kundenguthaben verwahrt — Börse, Broker oder Kreditgeber. Betrieblich ist das der klassische Aufbau, angewandt auf Kryptowerte: Konto, Identifizierung, Verwahrstelle und Orderbuch, in der Regel mit dem Gegenparteirisiko einer Bank, aber ohne deren Einlagensicherung.
Zwangsverwertung (Liquidation)
Die automatische Verwertung der Sicherheiten eines Kreditnehmers, sobald eine orakelgestützte Kennzahl eine Schwelle unterschreitet, ausgeführt durch Dritte, die dafür eine Prämie aus den Sicherheiten erhalten.
Infrastruktur
17 BegriffeAtomare Abwicklung
Eine Abwicklung, bei der alle Teile eines Geschäfts innerhalb einer Transaktion gemeinsam gelingen oder gemeinsam scheitern, wodurch das Abwicklungsfenster entfällt, zugleich aber auch das Netting.
Bridge und Wrapped Assets
Verfahren, die einen Vermögenswert auf einer Chain sperren und auf einer anderen eine Repräsentation ausgeben; diese Repräsentation ist ein Anspruch gegen die Bridge, nicht der ursprüngliche Vermögenswert.
Chain-übergreifende Interoperabilität
Verfahren für Nachrichten- und Werteübertragung zwischen Registern; jedes Design fügt eine Vertrauensannahme hinzu, da Register einander nicht von sich aus verifizieren können.
Digitales Zentralbankgeld
Eine unmittelbare Verbindlichkeit einer Zentralbank in digitaler Form, unterschieden nach Retail-Varianten für die Allgemeinheit und Wholesale-Varianten für die Abwicklung zwischen Banken.
Endgültigkeit der Abwicklung
Der Zeitpunkt, zu dem eine Übertragung rechtlich unumkehrbar wird, auch gegenüber einem Insolvenzverwalter; Blockbestätigungen sind eine technische und keine rechtliche Aussage.
ERC-20
Die Basisschnittstelle für fungible Token auf Ethereum-kompatiblen Chains, ohne eingebaute Übertragungsbeschränkungen, Identitätsprüfungen oder Wiederherstellungsmechanismen.
Layer 2 und Rollups
Netzwerke, die Transaktionen außerhalb der Basis-Chain ausführen und verdichtete Daten oder Beweise dorthin zurückschreiben; ihre Sicherheit leitet sich unter Bridge- und Sequencer-Annahmen von der Basisschicht ab.
Lieferung gegen Zahlung (DvP)
Ein Abwicklungsverfahren, bei dem die Übertragung des Vermögenswerts nur dann erfolgt, wenn auch die Zahlung erfolgt, wodurch das Erfüllungsrisiko zwischen beiden Seiten entfällt.
MPC-Wallet
Eine Wallet, bei der eine Signatur gemeinsam aus Schlüsselanteilen mehrerer Parteien erzeugt wird, sodass keine Partei jemals über den vollständigen privaten Schlüssel verfügt.
Multisignatur
Eine On-Chain-Regel, nach der mehrere Schlüssel aus einem definierten Kreis eine Transaktion freigeben müssen; sie ist für jeden im Contract einsehbar.
Orakel
Ein Dienst, der Daten von außerhalb der Chain wie Kurse oder Nettoinventarwerte auf ein Register bringt, damit Contracts darauf reagieren können; er ist ein einzelner Ausfallpunkt und eine verbreitete Angriffsfläche.
Permissioned Blockchain
Ein Register, auf dem Teilnahme, Validierung oder das Halten von Werten auf identifizierte Parteien beschränkt ist, im Unterschied zu einer öffentlichen, für jeden zugänglichen Blockchain.
Privater Schlüssel
Der geheime Wert, der Übertragungen von einer Adresse autorisiert; sein Verlust ist in der Regel endgültig, seine Kompromittierung ermöglicht eine wirksame und nicht rückholbare Übertragung.
Qualifizierter Verwahrer
Ein beaufsichtigtes Unternehmen, das Kundenvermögen einschließlich kryptografischer Schlüssel verwahren darf; die einschlägige Erlaubnis unterscheidet sich je Rechtsordnung, und die US-Regeln befinden sich im Wandel.
Smart Contract
Auf einem Register veröffentlichter Programmcode, der bei Aufruf deterministisch ausgeführt wird; er ist kein Vertrag im Rechtssinn und begründet für sich genommen keine Verpflichtungen zwischen Parteien.
Verwahrte und nicht verwahrte Wallets
Die Unterscheidung danach, ob ein Anbieter die Schlüssel für den Kunden hält oder der Kunde selbst; sie bestimmt die aufsichtsrechtliche Einordnung ebenso wie die Verlusttragung.
Wholesale-CBDC
Zentralbankgeld für die Abwicklung zwischen Banken und im Wertpapiergeschäft auf einem verteilten Register; in mehreren europäischen Versuchen verblieb die Geldseite im RTGS-System und die Chain löste die Zahlung lediglich aus.
Regulierung
20 BegriffeAnbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen (CASP)
Ein nach MiCA zugelassenes Unternehmen, das Dienstleistungen wie Verwahrung, Tausch, Orderausführung, Platzierung oder Beratung zu Kryptowerten erbringt und diese EU-weit anbieten darf.
Basler Standard für Kryptoaktiva
Die bankaufsichtliche Behandlung von Kryptoaktiva durch den Basler Ausschuss, die Positionen in Gruppen mit stark unterschiedlicher Eigenmittelunterlegung einteilt und für die riskanteste Gruppe eine Obergrenze vorsieht; die nationale Umsetzung ist zu prüfen.
Digitaler Euro
Das Projekt einer digitalen Zentralbankwährung des Eurosystems für den Einzelhandelsbereich, dessen Haltegrenzen und Vertriebsregeln in einem EU-Gesetzgebungsverfahren festgelegt werden.
DLT-Pilotregelung
Die seit März 2023 anwendbare Verordnung (EU) 2022/858, die DLT-Marktinfrastrukturen unter Ausnahmen von MiFIR und CSDR innerhalb von Größenobergrenzen zulässt; die Inanspruchnahme ist bislang gering.
E-Geld-Token
Eine MiCA-Kategorie für Token, die auf eine einzelne amtliche Währung Bezug nehmen; Emittenten müssen Kreditinstitut oder E-Geld-Institut sein, jederzeit zum Nennwert zurücktauschen und dürfen keine Zinsen zahlen.
Elektronisches Wertpapier (eWpG)
Ein Wertpapier deutschen Rechts, das durch Eintragung in ein elektronisches Register statt durch Urkunde begeben wird; das eWpG unterscheidet Zentralregisterwertpapiere von Kryptowertpapieren auf einem verteilten Register.
Finanzinstrument nach MiFID II
Die Einordnung, die darüber entscheidet, ob auf einen Token Wertpapierrecht oder MiCA anwendbar ist; die nationalen Aufsichtsbehörden legen sie uneinheitlich aus, sodass eine instrumentenbezogene Prüfung nötig ist.
Howey-Test
Der US-Test aus SEC v. W. J. Howey Co. (1946) für das Vorliegen eines Investment Contract, angewandt auf Token-Angebote; seine Übertragung auf den Sekundärhandel bleibt umstritten.
Identifizierung des Vertragspartners (KYC)
Das aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Verfahren, einen Vertragspartner vor Begründung der Geschäftsbeziehung zu identifizieren und die Identifizierung fortlaufend aktuell zu halten — die Schwelle, die darüber entscheidet, an welche Wallet-Adressen ein tokenisiertes Wertpapier überhaupt übertragen werden darf.
Know Your Transaction (KYT)
Die laufende Prüfung von On-Chain-Transaktionen und der Adressherkunft anhand von Risikoindikatoren; die Zuordnung ist probabilistisch und fällt je nach Anbieter unterschiedlich aus.
Kryptoverwahrgeschäft
Die in Deutschland erlaubnispflichtige Verwahrung, Verwaltung oder Sicherung von Kryptowerten oder privaten Schlüsseln für andere; der aktuelle Anwendungsbereich ist zu prüfen, da die MiCA-Umsetzung Teile davon aus dem KWG herausgelöst hat.
Kryptowertpapierregister
Das Register, in dem deutsche Kryptowertpapiere eingetragen werden, geführt von einem Registerführer, dessen Tätigkeit nach dem KWG eine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung ist.
MiCA (Verordnung über Märkte für Kryptowerte)
Die Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte, die die Emission vermögenswertreferenzierter Token und von E-Geld-Token sowie die Zulassung von Kryptowerte-Dienstleistern regelt; auf Kryptowerte, die Finanzinstrumente sind, ist sie ausdrücklich nicht anwendbar.
Payment Stablecoin
US-aufsichtsrechtlicher Begriff für einen währungsreferenzierten Zahlungstoken, der durch den GENIUS Act von 2025 einem bundesrechtlichen Rahmen unterstellt wurde; die Ausführungsregeln befinden sich noch im Aufbau.
Prospektpflicht
Die Pflicht, bei öffentlichem Angebot übertragbarer Wertpapiere oder deren Zulassung zum regulierten Markt einen gebilligten Prospekt zu veröffentlichen, vorbehaltlich Ausnahmen etwa für Platzierungen bei qualifizierten Anlegern.
Registerwertrecht
Ein Instrument des schweizerischen Obligationenrechts, bei dem Rechte in einem verteilten Register eingetragen und nur über dieses übertragen werden können, in Kraft seit 2021.
Sanktionsprüfung
Der Abgleich von Kontrahenten und, on-chain, von Adressen mit Sanktionslisten; gelistete Adressen führen praktisch dazu, dass empfangene Einheiten unbrauchbar werden können.
Travel Rule (Geldtransfer-Verordnung)
Die Pflicht, Angaben zu Auftraggeber und Begünstigtem mit dem Transfer zu übermitteln; in der EU gilt sie für Kryptowertetransfers nach der Verordnung (EU) 2023/1113 ohne Bagatellgrenze.
TVTG (Token- und VT-Dienstleister-Gesetz)
Das seit 2020 geltende liechtensteinische Gesetz, das den Token als Behälter für Rechte definiert und Dienstleister vertrauenswürdiger Technologien reguliert; das Zusammenspiel mit MiCA ist im Einzelfall zu prüfen.
Vermögenswertreferenzierter Token
Eine MiCA-Kategorie für Token, die auf einen Korb von Währungen, Rohstoffen oder anderen Werten Bezug nehmen; Emittenten benötigen eine Zulassung, müssen eine getrennte Reserve halten und dürfen keine Zinsen gewähren.
Risiko
11 BegriffeAdmin-Key- und Upgrade-Risiko
Die Exponierung, die entsteht, wenn eine Partei einen Contract ändern, anhalten, sperren oder umkonfigurieren kann, wodurch ein scheinbar autonomes System zu einer Exponierung gegenüber diesem Schlüsselinhaber wird.
Bridge-Risiko
Das in chain-übergreifenden Verfahren gebündelte Risiko, bei dem gesperrte Sicherheiten entwendet werden können und die Wrapped-Repräsentation ihre Deckung verliert; historisch eine der größten Verlustkategorien.
Einfrier- und Sperrfunktion
Die Befugnis eines Emittenten oder Administrators, Übertragungen bestimmter Adressen zu sperren oder Guthaben zu immobilisieren; sie besteht bei den meisten regulierten Token und den größten Stablecoins.
Insolvenzferne
Strukturmerkmale, die einen Vermögenspool aus der Insolvenz des Originators oder Sponsors heraushalten sollen; sie werden rechtlich und nicht technisch erreicht.
Kontrahentenrisiko on-chain
Die Exponierung gegenüber identifizierbaren Parteien, die trotz Ausschaltung von Intermediären fortbesteht, darunter Emittenten, Reserveverwahrer, Bridge-Betreiber, Orakelanbieter und Inhaber von Admin-Keys.
Orakel-Manipulation
Die Verzerrung des Preises, auf den sich ein Contract stützt, häufig über einen dünnen Markt und geliehenes Kapital, um vorteilhafte Liquidationen auszulösen oder Token unberechtigt zu erzeugen.
Rechtliche Durchsetzbarkeit tokenisierter Ansprüche
Die Frage, ob das Halten eines Tokens einen Anspruch begründet, den ein Gericht gegen einen identifizierten Schuldner durchsetzt; sie hängt von Emissionsdokumentation und anwendbarem Recht ab, nicht vom Register.
Rücknahmeaussetzung und Liquiditätsrisiko
Vertragliche oder aufsichtsrechtliche Instrumente, die Rücknahmen im Stressfall aussetzen oder begrenzen; die Tokenisierung beseitigt sie nicht, und der Sekundärmarktpreis kann währenddessen unter den Nettoinventarwert fallen.
Schlüsselverlust- und Verwahrrisiko
Das Risiko des dauerhaften Zugriffsverlusts durch verlorene, zerstörte oder kompromittierte Schlüssel, für das kein Wiederherstellungsverfahren wie bei einer abhandengekommenen Urkunde besteht.
Smart-Contract-Audit
Eine zeitlich begrenzte Prüfung von Contract-Code gegen bekannte Schwachstellenklassen und ein festgelegtes Sollverhalten; sie ist keine Prüfung von Solvenz, ökonomischem Design oder Governance.
Smart-Contract-Risiko
Das Risiko, dass veröffentlichter Code anders als beabsichtigt arbeitet oder ausgenutzt wird und dadurch unumkehrbare Verluste ohne jeden Kontrahentenausfall entstehen.
Sie suchen nicht die Definition, sondern die Entsprechung eines klassischen Finanzbegriffs on-chain? Das ist die Begriffsbrücke, die auch ausweist, wo die naheliegende Analogie falsch ist.